| Psychosomatik der Herz-Kreislauf-Erkrankungen |
|
In den letzten Monaten wurden ungewöhnlich viele Übersichtsartikel zum Thema Psychosomatik und KHK veröffentlicht (Deuschle et al. 2002, Härter, Kittel et al. 2002) - sollte es so sein, dass sich zu Zeiten knapper werdender Budgets die somatische Medizin hilfesuchend an die Psychosomatik wendet? Für viele Psychosomatiker ist der Herzinfarkt auch ein psychosoziales Krankheitsgeschehen. Die Diagnose der Angina Pectoris ist schon vor 100 Jahren bekannt gewesen, 1875 wurde diesem Leider der Charakter der Neurose zugebilligt, 1930 beschrieb Krehl psychische Erregung und seelische Konflkte als höchst bedeutungsvoll für die Entstehung dieser Krankheit. Ein beachtenswerter Hinweis ist die Bedeutung des Verlustes eines Ehepartners, der häfig eine folgenschwere Änderung der sozialen Situation mit sich bringt. Untersuchungen ergaben, dass sehr viele Männer innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Tod der Ehefrau an einem Herzinfarkt (gebrochenem Herzen?) starben. |
|
Bereits Mitte der 90er Jahre wurde in epidemiologischen Langzeiterhebungen an großen Bevölkerungskollektiven beobachtet, dass Depressionskranke etwa doppelt so häufig eine ischämische Herzerkrankung entwickeln wie Personen ohne diese psychiatrische Diagnose (Barefoot & Schroll 1996, Frazure-Smith et al 1995). Dass eine Depression auch erheblichen Einfluss auf die Prognose von Herz-Kreislauf- Erkrankungen hat, belegen sechs prospektive Studien (zit. nach Deuschle et al. 2002), die den Einfluss einer zu Beginn der Studie vorliegenden, eng definierten depressiven Episode untersuchten : Die Schätzungen des relativen Risikos in diesen neueren Untersuchungen lagen bei 2,1 bis 4,5 noch höher als bei den älteren Untersuchungen aus den 90er Jahren. |
|
Wir selber haben in der Klinik Möhnesee im letzten Jahr in Kooperation mit der Psychosomatischen Abteilung der Universität Göttingen eine entsprechende Erhebung mit dem HADS-D durchgeführt. Da sich unter dem Dach unserer Klinik sowohl eine Psychosomatische Abteilung (CA Prof. Dr. G. Schürgers) als eine Kardiologische Abteilung (CA Dr. R. Schubmann) befindet, wollten wir herausarbeiten, inwieweit eine über das übliche Maß der Konsiliartätigkeit hinausgehende Vernetzung in den therapeutischen Angeboten effektiv sit (Schubmann et al. 2003, Schubmann 1999). Das mittlere Alter unserer kardiologischen Studienpatienten (N = 152) Patienten lag mit im Mittel 68 Jahren deutlich über dem Altersschnitt der von Kittel et al (2002) untersuchten Patientengruppe. Ebenso waren nahezu 50% (N = 73) des von uns in der Klinik Möhnesee untersuchten Klientels Patienten nach einer Bypass-OP, davon 73% (N = 59) Männer. Zum Aufnahmezeitpunkt in die Rehabilitation zeigten 18,3% der Patienten (12,5% der Männer, 33% der Frauen; p=0,003) auffällige HADS-Werte. Im Verlauf der Rehabilitation veränderten sich die Angstwerte von 5,8 ± 3,7 auf 4,4 ± 3,6 (p<0,0005), die Depressivitätswerte von 4,5 ± 3,3 auf 3,8 ± 3,6 (p<0,0005). [ Den Link für die PDF-Datei mit der kompletten Abhandlung finden Sie am Ende. ] |
|
Relativ wenig weiß man bisher über die pathophysiologischen Zusammenhänge von Depression und kardiovasculären Erkrankungen. Es gibt zahlreiche Hinweise auf neurochemische und neuroendokrine Interaktionen, die zu einer Störung der autonomen Innervierung führen könnten. Die Bedeutung der sympathovagalen Imbalace als Trigger für elektrische Instabilität des Myocards ist seit Jahren bekannt. Es gibt auch Hinweise darauf, dass sich die Thrombozuytenfunktion in Abhängigkeit von verschieden Stimmungszuständen verändert. Deuschle et al (2002) haben dies in einer Abbildung sehr übersichtlich zusammengefasst. [ Den Link für die PDF-Datei mit der Abbildung finden Sie am Ende. ] |
|
Wegen der vielfältigen Verknüpfungen von Herz und Psyche wurde vor einigen Jahren ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben initiiert, die STATUSKONFERENZ PSYCHOKARDIOLOGIE wurde begründet. Hier der Link : Statuskonferenz Psychokardiologie |
|
Die entsprechenden PDF-Files zum Download : Psychosomatik der Herz-Kreislauf-Erkrankungen [ .pdf-File 88,6 KB ] Pathophysiologisches Modell [ .pdf-File 67,2 KB ] |
|
|
|
|
|
|
